Wie ich zum Radfahren gekommen bin

Im Mai 2001 machte ich meinen Fahrradführerschein. Damals ging ich in die vierte Klasse Volksschule. Kurz nachdem ich diesen Führerschein in meinen Händen hielt, startete ich auch schon meine erste Mountainbike-Tour. Zuerst fuhr ich alleine zu meiner damaligen Schulfreundin auf den Berg um dann oben mit ihr im Wald herum zu fahren. Wir kehrten dann noch gemeinsam bei einem Bauernhof ein, dessen Besitzer wir beide kannten. Als ich nach einigen Stunden Ausflug wieder Daheim ankam, war meine Mutter schon außer sich vor Sorge. Immerhin ging sie in der Annahme, dass ich „nur“ rauf fahre und dann recht bald wieder zurück sein werde. Jedenfalls hat sich mein Vater in der Zwischenzeit schon mit dem Auto auf die Suche nach mir gemacht. Das war der Startschuss für mich und meine Eltern für das gemeinsame Mountainbiken.

Irgendwann in der Hauptschule begann ich dann auch regelmäßig Mountainbike-Rennen in der Umgebung zu fahren. Mein Traum damals war Rad-Profi zu werden. Ich war so von der Idee begeistert, dass ich im Juli drei Wochen vorm Fernseher saß, bei schönstem Wetter während alle meine Freunde im Schwimmbad waren und mir hunderte Radfahrer anschaute, wie sie in Frankreich stundenlang durch kleine Dörfer fuhren. Ein Fahrer hat es mir dabei besonders angetan: Lance Armstrong.

Am stärksten ist mir dabei die Tour de France 2004 in Erinnerung geblieben. Nach der fünften Etappe übernahm Thomas Voeckler das gelbe Trikot von Lance Armstrong. Voeckler konnte sich in einer Ausreißergruppe über 15 Minuten Vorsprung auf Armstrong und das Hauptfeld herausfahren. Völlig fertig war ich daheim den Tränen nahe, weil mein Held Armstrong nicht als erster Mensch sechs Mal die Tour gewinnen konnte. Davon war ich jedenfalls überzeugt. Mein Vater tröstete mich dann und überzeugte mich davon, dass Armstrong diesen Rückstand später in den Alpen locker wieder gut machen werde. ICh wusste zwar nicht ob er das nur sagte um mich zu beruhigen, oder ob er tatsächlich davon überzeugt war. Auf der 15. Etappe wurde diese Prophezeihung meines Vaters jedenfalls tatsächlich wahr. Ausgerechnet bei der ersten Etappe in den Alpen übernahm Armstrong wieder das gelbe Trikot und gab es bis zum Schluss nichtmehr her.

Ein Jahr davor konnte ich mein Idol sogar live sehen. Es war das Grazer Altstadtkriterium. Ich war dort und 50 tausend andere Menschen wollten sich das auch nicht entgehen lassen. Zwei Tage nach seinem fünften Tour de France Sieg konnte er auch dieses legendäre Kriterium gewinnen, um das es übrigens ziemlich Schade ist, dass es nicht mehr veranstaltet wird.

Mittlerweile wurden ihm seine insgesamt sieben Tour de France Siege alle aberkannt, weil ihm das „höchstentwickelte, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm, das die Sportwelt jemals gesehen hat“ nachgewiesen wurde. Das finde ich einerseits schade und trotzdem ist es noch immer er, den ich am meisten mit dem Radsport verbinde. Nachdem Armstrong seine Karriere beendet hatte, kann ich mich nicht erinnern dass ich noch einmal so interessiert am Rennradsport war. Seitdem haben auch kaum noch Rennfahrer Eindruck bei mir hinterlassen. Ich kenne zwar die letzten Tour de France Sieger wie Chris FroomeBradley Wiggins oder Alberto Contador aber wirklich Eindruck hat keiner bei mir hinterlassen.

Generell denke ich mir, oder rede es mir zumindest ein, war Armstrong zu einer Zeit aktiv in der der Profi-Radsport noch sehr unsauber war. Wenn man sich die Artikel aus der Zeit durchliest und sich mit den Fahrern beschäftigt die zwischen 1996 und 2008 erfolgreich waren, wurde so ziemlich jeder von ihnen einmal mit Doping in Verbindung gebracht bzw. des Dopings überführt. Ich verstehe zwar Menschen die der Meinung sind, dass Armstrong der größte Betrüger aller Zeiten ist, muss dem aber entgegenstellen dass auch die meisten seiner Konkurrenten genau so betrogen haben, nur eben nicht so gut wie er.

Jedenfalls schätze ich Armstrong nach wie vor, denn hätte es ihn nicht gegeben, wer weiß ob mich das Radfieber überhaupt gepackt hätte.

 

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